Weihnachtstriptychon

Weihnachtseinkäufe

Links Gemurmel und Tüten. Rechts Kinderwägen. Daneben runter gefallene Milch. Ein Strom aus Mänteln zieht vorbei. Alle orientieren sich am Schritttempo des Herdenführers. Zu langsam. Alle sind kurz vor Weihnachten mit der Jagd auf die Präsente beschäftigt. Im Hinterkopf frage ich mich, warum sie nicht schon früher losgegangen sind. Andererseits bin ich selbst auch hier.
An der Einpackstation steht ein goldgelocktes Engelchen und zottelt in himmlischer Ruh an einem Geschenkband, während sich vor dem Stand Menschen aneinander schlängeln, die in der Wartezeit auch bei kompletter Unfähigkeit Geschenkpapier kaufen und zu Hause das zu Schenkende selbst einpacken könnten. Doch in Deutschland als Land der Prinzipienreiter wird lieber gewartet und die 2,99€ für Geschenkpapier gespart. Dafür kann man sich später noch einen Döner holen und ebenfalls als Geschenk einpacken lassen.

Weihnachtssingen

Die Weihnachtsmütze hat die gleiche Farbe wie die der Merchandiseartikel des 1.FC Union Berlin. Rot-Weiß. Blau mit roter Nase war leider schon an die Bayern vergeben. Doch im Ruinieren feierlicher Weihnachtsstimmung im Austausch zu Grölen der Vereinsparolen nehmen sich Fußballloyale wahrscheinlich nichts. Eigentlich sollen Weihnachtslieder gesungen werden, doch die Panik in den Augen der Chormitglieder ist über den Bildschirm gut erkennbar, als ihnen die Fußballfans ein dutzend Mal den Namen des Vereins zubrüllen, den sie glücklicherweise auch am Stadion ablesen können. Ich fühle mit ihnen, denn zum Singen und nicht zur Beweihräucherung bin ich gekommen. Auch wenn für mich Christus nichts mehr retten kann und mir bewusst ist, dass „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ nur am 23. Dezember funktioniert.
Der Predigt wird wenig gelauscht. Auch ich hole mir währenddessen lieber etwas zu essen. Denn zwei Sachen habe ich gelernt: Schafskäse mit Honig und Walnuss ist verdammt lecker und nie wieder Fußballstadion!

Weihnachtsessen

Nächstes Jahr mehr Sport. Diät wohl möglich. Andere Ernährung auf jeden Fall. Kein Wunder, dass an Neujahr solche Vorsätze gefasst werden. Während der Sommer noch mit Salat verging, wurden im Herbst schon die ersten Aufläufe probiert. Im Winter schlägt der Feind des Menschen dann zu: der natürliche Instinkt. Sobald der kalte Wind einmal den Körper umwehte, muss an der rettenden Fettschicht gearbeitet werden.
Besonders gut gelingt das an Weihnachten. Nicht nur der Braten macht die Hälfte fett. Besonders die Süßigkeiten nebenbei sorgen für Reue, die bis in den Februar reicht. Dann ist endlich Fastenzeit und der übermäßige Genuss kann bis Ostern reguliert werden. Dann helfen diverse Bikini-Ratgeber über die Ostersüßigkeiten. Dann kommt Sommer und Herbst. Der Kreis ist geschlossen.