Es hilft das Vergessen

Was heißt das: Mit sich selbst und der Welt im Einklang? Für mich scheint das ein Paradox zu sein, das man nur versuchen kann aufzulösen wie ein ewiger Drahtseilakt mit einer Waage in der Hand. Ohne doppelten Boden. Ohne Sicherheitsnetz.
Schon sich selbst genügen heißt doch jede Form der Perfektion abzulegen, die einem immer wieder Ansporn zu Veränderungen geben könnte. Das Ganze gleicht einer Dreiteilung der Mächte „Ich“, „Du“ und „die Welt“. Es kann zu Problemen zwischen Ich und der Welt kommen, wenn man sich wertlos, hässlich und überfragt fühlt. Wenn man das Gefühl hat, dass man dem Anspruch der Welt nicht genügt, den man sich selbst ebenfalls eingepflanzt hat, ist man nicht im Einklang, nicht zufrieden. Man kann sich von den Ansprüchen lossprechen, um Einklang zu finden. Oder sucht sich neue Ansprüche in der Welt, was mir gesünder erscheint.
Dies erscheint mir noch der einfachere Part, denn das „Du“ in Gestalt andere Personen beinhaltet einen doppelten Anspruch. Den weltlichen und den persönlichen. Einen Einklang herstellen heißt, Flexibilität beweisen. Sich selbst kann man noch am ehesten beugen unter den Ansprüchen der anderen Mächte. Das ist ein Einklang auf Kosten des Ichs, welcher erschwert wird, da sich die Mächte „Du“ und „Welt“ in einem steten Austausch miteinander befinden, welcher die Ansprüche zwischen ihnen überträgt.
Warum schreibe ich das so pessimistisch? Recht einfach: Ich denke, dass der Moment des Einklangs dem der Erleuchtung Buddhas nahekommt, wir aber eher zwischen Katatonie und Annihilation hin und her pendeln bis wir uns einigermaßen wohl fühlen. Dabei hilft das Vergessen.

(gefundene Notizen ohne Datum mit leichten Editierungen)