Chronik „1940“ – Kapitel 1: „Viele Stränge bilden ein Seil“

Es folgt ein Teil der Einleitung:24

Als Jean Decoux an einem Julitag erwachte, wusste er noch nicht, was ihm bevorstand. Schon am Morgen hing die Feuchtigkeit bedeutsam schwer in der Luft und trieb Schweißperlen auf die Stirn eines jeden Europäers. Mit schweren Schritten ging Decoux daher seinen morgendlichen Routinen nach, griff mit schwitziger Hand nach seinem 6000er-Bericht, damit seine Augen ihm Ehre und Verdammnis mitteilten. An diesem Tag wurde er Generalgouverneur von Französisch-Indochina.

Nur wenige Tage später landeten überall erstaunlich gut vorbereitete Japaner, um militärische Knotenpunkte einzunehmen. Es brach eine Zeit an von geteilter Herrschaft und vielen Kulturen…

Der Metallriese sieht vom Meer aus den wenigen Sonnenstrahlen des Sonnenuntergang zu, die es durch die grauen Wolkenmassen kämpfen, während sich die Landungsboote mit dem klangvollen Namen Daihatsu auf dem Weg Richtung Küste machen. Der Blick auf das Land wird versperrt von grauem Fels, der sich teilweise hunderte Meter in den Himmel streckt, um von dort mit grüner Krone auf das Wasser zwischen sich zu schauen. Es ist die Ha Long Bucht, wo ein Drache das Meer über seine Spuren spülen ließ, die er im Land eindrückte. Übrig blieben die vielen kleinen Inseln, die einen Garten aus grün bewachsenen Steinspitzen im Wasser bilden.

Die Landungsboote mit Versorgungsmaterial verteilen sich in viele Richtungen, sei es in Richtung Hanoi, der Hauptstadt dieser Provinz, Ha Long, der namensgebenden Stadt der Bucht oder zum Exporthafen von Cam Pha, neben Hanoi der zweitgrößte Umschlagplatz für Waren in der Region. Und eventuell nicht nur für Waren…