Chronik VII – In Forsetis Schatten, Kapitel III – Verfall, Auszüge

Die Brücke
Eine breite, aber an einigen Stellen bereits zerfallene Brücke, unter der in einiger Tiefe eine Grube hinab ins Tal führt, ist der einzige Zugang zur Burg, die auf einem einsamen Hügel steht und ganz anders aussieht, als in der Schattenwelt suggeriert. Was dort düster und mittelalterlich ist, ist in Wirklichkeit eher ein moderner Blockbau, zwar groß und überschauend, doch quadratisch in der Grundform mit einem großen Zwiebelhaubendach. Es fehlen Zinnen und riesige Mauern. Dennoch überwuchert ein eingefrorener Efeu das gesamte Gebäude und der Anbau wirkt an der Burg wie eine zusätzliche Gliedmaße, die dem Gesamtbild etwas Monströses gibt.
Der runde Durchgang auf der anderen Seite mit seiner abgestorbenen Hecke voller Schnee kann auch nicht von den Grausamkeiten ablenken, die links und rechts vom Durchgang aufgespießt wurden. Ein Mann und eine Frau, deren Kleider nur noch grob in Fetzen von ihnen herunter hängen. Ihre Haut ist vom Frost überzogen und ihre Gesichter vom Schmerz gequält – selbst im Tod.

 

Die Küche
Diese düst’re Küche mit der niedrigen Decke ist eng und voll gestellt mit altem Mobiliar, das an vielen Stellen droht auseinander zu fallen. In ihnen stehen Gläser mit verschieden farbigen Pulvern, Sieben, Mörser und Stößel. Pfeffer- und Paprikagerüche liegen dir genau so in der Nase wie der von Knoblauch, der neben den Paprikaschoten hängt, wie auch Fleischstücke am Haken, die rot und roh das Wasser in deinem Mund zusammenlaufen lassen. Ganz im Gegenteil dazu die dreckigen, alten Schüsseln, die sich im Abwaschbecken stapeln, wer weiß wie lang schon.