Berliner S-Bahn

An einem Montagmorgen ist es sicherlich nicht jedermanns erster Gedanke, sich Sorgen darüber zu machen, was der eigene Hintern für die nächsten Minuten macht. Geschweige denn, dass sich jemand überhaupt so viele Gedanken über seinen Hintern macht. Dennoch stehen täglich Millionen von Berlinern vor den Türen der S-Bahnen und wollen sich unbedingt vor diejenigen, die sich im Aussteigen bemühen, drängeln, um somit ein scheinbares Japan-Gefühl zu erhaschen. Anderweitig lässt es sich jedenfalls nicht erklären, dass sich die Menschenmassen vor den Türen zusammenrotten, um somit eine Wand zu bilden, die damit den Verkehr mehr behindert als es die GDL je konnte. Wenn der eine Mensch (Gott möge ihn segnen) dann endlich den Gedanken „Wenn die aussteigen, können wir auch einsteigen“ bekommt, geht es so langsam voran. Normalerweise müsste es doch jedem in den Sinn kommen in diese Wand hinein zu preschen, die sich einem entgegenstellt. Denn dies eine haben die Menschen nicht begriffen: Nicht nur Einsteiger haben es eilig. Ebenso die Aussteiger. Das war nicht nur in der DDR so, nein, es blieb so und es ist noch heute so. Um noch einmal auf die Anfangsproblematik zurückzukommen: Wieso nötigen sich Menschen dazu sich an einem Montagmorgen mit aller Mühe in eine Bahn zu drängeln, in der sie sowieso stehen müssen? Was vermissen sie? Einer der Jungs vom Straßenfeger oder von der motz? Den S-Bahn-Musiker, der mal wieder ein Lied, bestehend aus E-Dur und D-Dur, vorträgt?