Die Fee (gegen das Paradies)

Die Fee saß fast still an ihrem kleinen Platz inmitten der Steinhügel und grünen Wiesen. Sie wippte leicht bedächtig von hinten nach vorn und dann wieder von vorn nach hinten. Das Zwitschern der singenden Vögel, das Summen der fleißigen Bienen, das Rauschen des majestätischen Wasserfalls und das Schlagen der farbenprächtigen Flügel von kleinen, die Fee umfliegenden, Schmetterlinge, umgaben sie. Die grünen saftigen Wiesen glitzerten, da die aufsteigende Sonne mit ihrem lebenspendenden Licht den Morgentau streichelte. Das Treiben war groß, doch die Fee saß allein hungernd inmitten des kleinen Paradieses.

Wäre sie doch nur nicht blind geboren worden.

Das Mädchen

Das Mädchen mit dem Messer stand still da, wie ein toter Baum. Ihrem Gesicht war nicht einmal ein Wimpernschlag zu entnehmen. Der Himmel verfärbte sich in eine widerliche Mixtur aus Schwarz, Grau und einigen blauen Flecken, die das kommende Gewitter ankündigten. Vor diesem grausigen Hintergrund erschien ihr rotes, im kalten Wind wehendes Kleid wie ein Lichtpunkt am Horizont, der für mich jedoch den Tod bedeuten sollte.

Korn

Da stehst du. Mittendrin, wie ein Stein. Schaust dich um. Links und rechts das enge Getöse aus Verkehr, Menschen und Tieren, die Letztere an Leinen umherführen. Dort Licht, Souvenirs, Massen, strömend, schon zermahlend drohen sie dich durch die Mühle zu pressen, machen dich zum Korn im Topf. Da liegst du, mittendrin. Bist zwischen deinesgleichen, wenn man so will. Aus dir kann die Saat werden, die wächst und gedeiht, langsam sich in die Blüte erhebt, bald schon ein Teil ist vom Brot, das die Welt füttert. Happen für Happen.
Noch sitzt du da, mittendrin, als ein Teil des möglichen Teiges, der den Hunger stillt. Bist wie ein Korn, das noch auf den Startbefehl wartet, ruht, sich innerlich komplett sammelt für die zukünftige Aufgabe, derer du dir noch bewusst werden musst.
Der Mann, der vorbeikommt, der könnte es sein, der dich aufnimmt, dich in seinem Armen wiegt und dir wie eine Mutter zuflüstert: „Du bist das Korn. Ruhe dich aus für deinen Weg, auf dem du der Welt helfen wirst. Ruhe sanft, mein Korn.“
Erwartungsvoll schwellt sich deine Brust, schon vollkommen unbewussten Stolzes, durch den du dich erheben willst und ihm fast in die Arme springst, als wäre er deine lang vermisste Mutter, dein Müller, der dich mahlt.
Doch er, er geht vorbei.
Da bleibst du als Korn, mittendrin. Dein Blick wandert hin und her. Aus dem Augenwinkel bemerkst du, wie die Körper tanzen. Wie sich das Mühlrad der Welt bewegt.

Ferne und Gewissheit

Wie Nebel ruht es am Berghang, ein Stück Ruhe und Weite in der gleichen Existenz. Von den grauen Steinen schaut die Ferne auf uns herab. Es erscheint uns so, als ob sie lache. Doch wie kann sie lachen? Keinen Gesichtspunkt finden wir, nicht einen Zug von Mimik. Von dort oben blickt eine Gewissheit auf uns herab. Sie spottet. Spottet über uns. Ihr ist klar, dieser fiesen Gewissheit, was das Geheimnis der Ferne ist. Die Gewissheit kennt die Ferne, sie sind fast schon intim miteinander. So ist es ihr klar, warum es uns erscheint, als ob sie lacht die Ferne. Darum spottet sie über uns.