Den Tag nutzen?

Was heißt das und wie kann man es umsetzen?

Viele versuchen es, indem sie so viel wie möglich tun und am Ende des Tages kaum Schlaf finden. Der richtige Weg liegt dort, wo man den Tag so nutzt, dass unsere Seele an dessen Ende lächelt, was durchaus schwer fällt, wenn etwas Tragisches geschieht. Doch trotzdem sollte immer die Ausgewogenheit der Weg zum Ziel sein. Um trotz aller Umstände das Lächeln zu finden, sollten wir in den bisherigen Tagen etwas gefunden haben, was uns aufleben lässt. Etwas, das uns versichtert, dass wir etwas erreicht haben oder es zumindest versuchten. Niemand kann annehmen, dass alles gelingt oder das Gelingen eines Planes selbstverständlich ist.

Ein „Erreichen“ in den früheren Tagen kann auch einfach darin liegen, dass wir etwas gegeben und getan haben. Für das Echo sind wir nach dem Ruf nicht verantwortlich und können daher nur abwarten bis uns die Antwort an einem anderen Tag ereilt. Selbst, wenn es lange dauert.
Wir wissen jedoch immerhin, dass wir gegeben haben. Ein Geben am Tag kann auch die Ruhe sein. Der Friede der Seele liegt nicht nur in Taten und darin, dass wir anderen etwas gegeben haben, sondern auch im Geben an die Seele, indem wir auf sie hören und sie achten. Für jeden geschieht das auf eine andere Weise. Der Eine beschäftigt sich mit Wissen, der Andere legt sich hin zum Schlafen und wieder Einer betreibt Meditation. Es gibt abertausende Möglichkeiten unserer Seele Tribut zu zollen und sie glücklich zu machen. Was nicht geschehen sollte, ist am Abend mit sich ins Gespräch zu kommen, was unweigerlich geschieht, und feststellen zu müssen, dass man das Gefühl hat den Tag nicht gelebt zu haben. Darin liegt die Kunst. Den Tag so zu gestalten, als wenn es unser Letzter wär und wir alles versuchen müssten, um unsere Seele zum Frieden zu bewegen. Dafür können wir versuchen Dinge zu tun, die wir bisher nicht gemacht haben, auch wenn sie einfach sind, und unsere alltäglichen Rituale sein zu lassen, um unser Leben völlig neu, oder anders ausgedrückt: aus einer anderen Perspektive zu erleben.

Im Namen der Wahrheit

//Santa Esmeralda – Don’t let me be misunderstood//

Die Wahrheit an sich hat viele Gesichter. Mancher Philosoph sagte ihr nach, dass sie nicht zu ergründen sei. Lao Tse sagte über die Wahrheit, dass es sie nicht gibt, sondern jeder für sich eine Wahrheit finden muss. Dem kann ich nur zustimmen, denn was ich da neulich hörte, empörte mein empfindliches Herz für Wahrheit im größten Maße. Denn für mich scheint das, was ich hörte, nicht nur im Entferntesten von der Wahrheit, sondern auch reichlich entfernt von der Realität. Schauen wir doch einmal den Grund dafür an:

Im Fernsehen ist derzeit ein Spot zu sehen, der geistige Größen der Weltgeschichte in den Vordergrund rückt. Er erzählt rührend von Ghandi, der den gewaltlosen Widerstand brachte und auch von Martin Luther King, der die gleichen Rechte für alle Menschen, völlig unabhängig von der Hautfarbe, forderte.
Als ich den Werbespot sah, wollte ich spontan weinen.

Blitzschnell wollte ich mich dann jedoch viel lieber spontan übergeben.

Der Grund hierfür ist das Einblenden des Logos der Zeitung BILD aus dem altbekannten Axel-Springer-Verlag und die Weissagung, man müsse der Welt die Wahrheit zeigen.

Die Bild nahm es sich heraus sich selbst als die Maxime der Wahrheit zu loben.

//Chamber – The paper-hearted ghost//

Als Zeitung spricht auch nichts gegen den Botschafter der Wahrheit in der Seele des Redakteurs, doch sehen wir einmal auf die Arbeit dieser eben genannten und begeben uns dafür auf die Internetseite des Blattes.
Mhm, schön schön:
“Scheidungskrieg Spears gegen Federline: Verschenkt Britney ihr Porno-Video?“

Edgar Allen Poe, der bekanntlicherweise seine Zeitung gänzlich allein schrieb, dreht sich im Grab um. Kein Wunder, wenn hierbei Keines der drei Siebe nach Sokrates enthalten ist.

Das erste Sieb ist die Wahrheit. Das Zweite die Güte. Das Dritte ist die Notwendigkeit.

Beleuchten wir die Schlagzeile:

Die Scheidung entspricht wohl der Wahrheit, dafür gibt es einen Vertrag. Ob es ein Porno-Video gibt, ist weder erwiesen, noch will das irgendwer wissen. Naja schön, einige wollen es vielleicht als Wichsvorlage verwenden. Disgusting.

Zweitens: Die Güte. Scheidungen sind in den meisten Fällen nichts Gutes, obwohl es einigen Paaren dadurch wirklich besser geht, jedoch geht es einem von beiden danach zumindest finanziell sehr dreckig. Sex für sich ist auch alles andere als schlecht, aber die Preisgabe von Privatem entspricht nicht gerade den Grundgesetzen. In Amerika, wo diese Grundgesetze entworfen worden sind, vielleicht schon.

//Sigur Rós – Untitled #8//

Das dritte ist die Notwendigkeit. Poe rotiert wie ein Broiler beim Dönerstand, das kann ich euch sagen.

Während also tausende unschuldige Menschen jede Sekunde an Krieg, Krankheiten, Hunger oder schlechtem Trinkwasser sterben, falsche Urteile gefällt werden und damit jemand zum Tode verurteilt wird, Korruption und falsche Volksvertretungen in vielen Demokratien dieser Welt vorherrschen, beschäftigt sich die BILD mit einem Porno-Video von Britney Spears.

Das ist die Wahrheit der Menschen.

Zum Abschluss möchte ich einfach nur das Schild zitieren, das am Ende des Musikvideos „The Saints are coming“ von U2 und Green Day gezeigt wird und meiner Meinung nach der Wahrheit weiter voraus ist als der Irrglaube von Abermillionen von Menschen und sagt, wie sie nun mal ist:

„Not as seen on the TV“

Wenn die Menschen Trauer tragen

Wenn die Menschen Trauer tragen,
bleibt das Herbstlaub nicht ohne Tränen,
bleiben die Herzen nicht ohne Sehnen,
wenn sie um den Abschied klagen.

Wenn die Menschen Trauer tragen,
bleibt keine Lippe ohne Schattenspiel,
verlieren sich im Kopf Anfang und Ziel,
denn zurück weilen nur Fragen.

Wenn die Menschen Trauer tragen,
bleiben Sekunden einfach stehen,
wird der Kummer niemals vergehen,
weil man wollt noch etwas sagen.

Weil die Menschen Trauer tragen,
weil das Leben weiter geht,
weil die Welt nicht leblos steht,
darf der Tod uns nie zernagen.