R-Gespräch

-Telefonklingeln-

„Sie haben ein R-Gespräch von xxxxxx-xxxxxx. Wenn sie es annehmen, übernehmen Sie die Kosten. Wollen Sie das R-Gespräch annehmen, so drücken Sie die 1. Wollen Sie es ablehnen, drücken Sie die 2.“

-Tippen-

„Sie haben das R-Gespräch abgelehnt.“

-Stille-

-Erneutes Telefonklingeln-

„Sie haben ein R-Gespräch von xxxxxx-xxxxxx. Wenn sie es annehmen, übernehmen Sie die Kosten. Wollen Sie das R-Gespräch annehmen, so drücken Sie die 1. Wollen Sie es ablehnen, drücken Sie die 2.“

-Tippen-

„Sie haben das R-Gespräch abgelehnt.“

-Tippen-

-Telefonklingeln-

„Ja, was gibt’s?“

„Warum rufst du mich andauernd mittels eines R-Gespräches an?“

„Na das ist doch denn kostenlos.“

„Für dich vielleicht, aber ich übernehme doch die Kosten.“

„Echt?“

„Ja, Mann. Das sagen die auch immer in der Werbung.“

„Hmm, hab ich nicht so drauf geachtet. Das mit dem ‚Kostenlos’ fand ich spannender.“

„Jedenfalls ist es nicht kostenlos. Nicht für mich.“

„Okay… aber im Endeffekt hast du mich ja doch angerufen und übernimmst die Kosten.“

„Ja, aber nur, um nachzufragen, was das soll.“

„Was soll?“

„Na das mit den R-Gesprächen.“

„Achso.“

„Du hättest mich auch kurz anrufen und nachfragen können, ob ich dich anrufe, weil deine Telefonrechnung gerade höher ist oder sowas.So hat man das früher gemacht, bevor dieses amerikanische Prinzip des R-Gespräches kam.“

„So wie eben fand ich es aber praktischer.“

Louisa John Krol

Feenmusik, etherische feine Stränge aus erhabenem Seidengesang. Milde warme Herbstwinde ziehen einen in die Welt der Wunder und Fabelwesen. Hier beginnt das Schaffen von Louisa John Krol, einer sympathischen australischen Sängerin, die mittlerweile vier Alben und allerhand anderer CDs veröffentlichte, auf denen sie beweist, wie reich unsere Kulturen an fantastischen Erzählungen sind. Von Seegiganten, Minotauren und anderen mythologischen und fabelhaften Gestalten singt sie und lässt den Zuhörer dabei in eine völlig andere Welt eintauchen. Die Spannweite der Instrumente für diesen Zauber, den sie auf den Hörer auswirkt, reicht weit. Von Gitarren über Lauten bis Flöten ist alles wieder zu finden, was harmonisch und wärmend wirkt. Daher ist sie auch ein kleiner Geheimtipp für den Herbst, den sie mit atmosphärischem Wirken und Singen untermalt. Doch auch abseits des Herbstes macht sie mit ihrem Elfengesang eine gute Figur und weiß immer gezielt das Herz des Zuhörers gleichzeitig aufschlagen und beruhigen zu lassen.

www.louisajohnkrol.com

Johann, der Frostprinz

Leicht wie ein Zitronenfalter im Wind
So sanftmütig wie das heilige Kind
Schwebt der Frost über die Hügel im Moor
Und dort am Hang ragt ein Kopf hervor.

Der wackelt, wankt und zittert
Und die Mimik ist verbittert.
Zerfallen wie ein Geisterhaus
Sieht der Frostprinz Johann aus.

Langsam erreicht er einen Ort,
welcher von besond’rer Sort’.
Er schreitet durch die Gassen,
vorbei an bröckelnden Terrassen.

Leergefegt die alte Ruinenstadt,
die er hat sehr schnelle satt.
Sie ist leer und nicht bewohnt,
Besuch hat sich hier nicht gelohnt.

Einst ein Spielplatz der Gefühle
Herrscht nun nur noch die Kühle
Auf den Plätzen und den Wegen,
auf die sich Eiskristalle niederlegen.

Eine schwere Frage furchtbar alt
Ist eingeritzt im grauen Bilderwald,
die das Leben schwer in Frage stellt
und Gott für einen Narren hält.

Johann steht davor und blinzelt,
während leis’ um ihn der Schnee fällt
und ihn zudeckt mit Ratlosigkeit,
woher so schnell auch Weisheit?

Er grummelt kurz und dreht sich um,
diese Rätselei ist ihm zu dumm,
stattdessen geht er genügsam weiter
und das Eis stimmt ihn wieder heiter.

Diese Fragen bereiten ihm kein Weh,
Weiß er doch, das Leben ist eine Odyssee.
Von Fragen wird es nur zugeschnürt,
wenn es nur in eine Richtung führt.

Ode, die das Herz zerfrisst

Weise mir den Weg, Geliebte,
Sehnsucht, du dich in mich schweißt,
langsam mir das Herz zerbeißt,
töte mich mit deinen Fängen!

So steinern wie mein Herze weint,
wünschte ich, es könnt noch lieben
und wäre so in Fried geblieben,
statt ewiglich die Welten zu zerreißen.

Gütig richte mich, du Fieber, nieder,
Lass mich als der Liebe wahres Kind,
Als ein Funkenflug säuselnd im Wind,
genießen der Welten Schönheit Bann.

(Pars II)

Was am Ende nahet mich zu krönen,
wird mich zum einen nun verhöhnen,
als bald mit aller Schmache plagen,
gleich dies ebenso zu Grabe tragen.

Denn wie ein alter Stern muss man
im Schatten dieser Welten dann
langsam wie das Feuer glüh’n,
um mit dem Tode zu verwehen…

Der Weltenseel‘ Gedicht

Kaum mein Schatten brennt in neuem Glanze,
führ ich ihn auf zum Totentanze,
da mir gleich, was der Mensch verspricht,
solang erklingt der Weltenseel’ Gedicht:

„Tanze, mein Kind, mit jedem Schritt,
das Feuer meines Innern geb ich mit!
Dich, mein Kind, mit meinem Wappen,
erwähle ich zu meinem Knappen!

Mein Herz, mein Kind, auch in dir schlägt,
so auch mein Schild sich auf dich legt.
Passier, mein Kind, den Weg an meine Brust
Mit inniglich lodernder Kampfeslust!“